Es ist korrekt, dass der Originaltext keine direkte Aussage darüber trifft, ob Oksana einen russischen Pass annehmen würde. Er konzentriert sich auf ihr unmittelbares Leid und ihre Sehnsüchte.
Wenn wir die Geschichte jedoch spekulativ weiterspinnen und dabei die im Text vermittelten Gefühle und Umstände Oksanas als Grundlage nehmen, lässt sich eine Tendenz ableiten:
Aus dem Text herausgelesene Indikatoren für Oksanas Haltung:
- Opfer der Aggression: Oksana ist ein direktes Opfer der russischen Invasion. Ihr Leid (Zerstörung, Wassermangel, Explosionen, Angst) ist eine direkte Folge der russischen Präsenz. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass sie die russische Seite als Befreier oder als Quelle für eine bessere Zukunft sieht.
- Sehnsucht nach ukrainischer Normalität: Ihre Wünsche – "Vögel wieder singen hören, nicht die Drohnen", "Wasser aus dem Hahn läuft, ohne darum betteln zu müssen", Sorge um ihre Schwester in Kyjiw – sind Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach einem friedlichen, ukrainischen Leben, wie es vor dem Krieg war. Die Sorge um Kyjiw, die Hauptstadt der Ukraine, unterstreicht ihre Verbundenheit mit dem ukrainischen Staat.
- Widerstand gegen die Realität: Sie lebt in ständiger Angst und unter Entbehrungen. Die Akzeptanz eines russischen Passes würde eine formelle Anerkennung der Besatzung und der russischen Herrschaft bedeuten, die die Ursache all ihres Leidens ist.
Spekulative Weiterentwicklung – Wie würde sie handeln? Würde sie den russischen Pass annehmen?
Basierend auf diesen Indikatoren ist es höchst unwahrscheinlich, dass Oksana den russischen Pass freiwillig und aus Überzeugung annehmen würde. Ihre Handlungen wären wahrscheinlich von einer Mischung aus Widerstand, Pragmatismus und Verzweiflung geprägt:
- Innerer Widerstand: Ihr Herz und ihre Loyalität wären weiterhin bei der Ukraine. Die Annahme des Passes würde sich für sie wie ein Verrat an ihrer Identität und an dem, wofür sie leidet, anfühlen.
- Pragmatismus unter Zwang: In einer Situation extremer Not und unter dem Druck einer Besatzung könnten äußere Umstände sie jedoch dazu zwingen. Wenn beispielsweise der Zugang zu medizinischer Versorgung, Nahrungsmitteln, Wasser oder die Möglichkeit, ihre Kinder zu versorgen, direkt an die Annahme des russischen Passes geknüpft wäre, könnte sie sich in einer unerträglichen Zwickmühle befinden.
- Szenario 1: Verweigerung bis zur letzten Konsequenz: Wenn es ihr irgendwie möglich wäre, würde sie die Annahme des Passes verweigern, selbst wenn dies zusätzliche Härten bedeuten würde. Sie würde versuchen, sich und ihre Kinder mit allen Mitteln durchzubringen, vielleicht durch informelle Netzwerke oder indem sie sich so weit wie möglich von den Besatzungsbehörden fernhält.
- Szenario 2: Erzwungene Annahme: Sollte der Druck unerträglich werden und die Verweigerung das Überleben ihrer Familie direkt gefährden, könnte sie den Pass unter Zwang annehmen. Dies wäre jedoch keine Entscheidung aus Loyalität oder Akzeptanz, sondern ein Akt des Überlebens. Sie würde ihn als ein notwendiges Übel betrachten, um ihre Kinder zu schützen oder Zugang zu lebensnotwendigen Gütern zu erhalten. Innerlich würde sie sich weiterhin als Ukrainerin fühlen und auf die Befreiung hoffen.
- Flucht als Alternative: Eine weitere Handlungsoption, die aus ihrer Sehnsucht nach Normalität und Frieden resultiert, wäre die Flucht aus dem besetzten Gebiet, falls dies möglich wäre. Die Annahme eines russischen Passes würde diese Option erschweren oder unmöglich machen, was ein weiterer Grund wäre, ihn abzulehnen.
Fazit der Spekulation:
Oksana würde den russischen Pass nicht freiwillig oder aus Überzeugung annehmen. Ihre Geschichte deutet auf eine tiefe Verbundenheit mit der Ukraine und eine Ablehnung der russischen Aggression hin. Wenn sie ihn annehmen würde, wäre es ein Akt der Verzweiflung und des Überlebenskampfes unter extremem Zwang, nicht eine freie Entscheidung. Ihre innere Haltung und ihre Sehnsüchte würden sich dadurch nicht ändern.